Landesstelle Berlin für Suchtfragen e.V.
Gierkezeile 39, 10585 Berlin
Tel.: 030 - 34 38 91 60
Fax: 030 - 34 38 91 62
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Di: 14:00 Uhr - 17:00 Uhr | Do: 11:00 - 15:00 Uhr
und nach Terminvereinbarung

Biografien

Jens

Hallo, mein Name ist Jens, ich bin Alkoholiker...!

Ja, so stelle ich mich in der (Sucht -) Selbsthilfegruppe, im Folgenden kurz SHG genannt, vor.

Ich bin jetzt 60 Jahre alt und habe mich vor knapp 9 Jahren nach ca. 35 Jahren Alkoholabhängigkeit selbst trocken gelegt.

Alles hat eine Vorgeschichte, die Abhängigkeit, wie auch der Weg in die Abstinenz und damit auch der Weg in die Sucht-Selbsthilfe…

Der Weg in die Abhängigkeit fing mit dem Feierabendbier während der Lehre an, sowohl im Elternhaus wie auch im Freundeskreis, wobei es da, zumindest an den Wochenenden, drastisch eskalierte. So war ein Wochenende ohne Vollrausch „kein gutes” Wochenende. Meine mir von den Eltern anerzogene Disziplin zwang mich allerdings dazu, während der Woche meinen Job zu machen. Das hinderte mich allerdings nicht daran, mir schon frühzeitig die „nötige Dröhnung” am Abend zu verpassen. Ich entwickelte Strategien wie ich es auf Arbeit verhindern konnte, vor dem zweiten Frühstück gegen 10 Uhr Gespräche mit Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden zu führen, was im Einzelhandel nicht immer ganz einfach war. Keiner hat was gemerkt (?), keiner hat was gesagt (?), und so nahm der Weg in die Abhängigkeit seinen Lauf…

Ich habe trotzdem meine Karriere gemacht, war erfolgreich, bin in Deutschland beruflich rumgekommen und schließlich in Berlin gelandet. Der Alkohol war immer dabei, es wurde toleriert (er arbeitet ja auch so viel und bringt gutes Geld nach Hause...). Keiner merkte oder wollte es wahr haben, wie mich dieses Zeugs dominierte, ich selbst merkte es natürlich auch nicht, wollte es wohl auch nicht, war ja so alles schön...

Dann wurde ich arbeitslos, insgesamt drei Mal, die Ehe ging kaputt, Schulden, Rosenkrieg, Billigsuff, und dann kam der Krebs. Nierenkrebs, heute weiß ich, wovon der kam!

In der anschließenden Reha kam ich das erste Mal mit Sucht-Selbsthilfe in Kontakt und ich hätte nie gedacht, dass mich dieses Thema so fesseln wird. Zurück in Berlin gründete ich mit Hilfe des Selbsthilfezentrums eine Krebs-SHG, das war Anfang 2003. Gut 8 Jahre lief die Gruppe, dann hat sie sich auf Grund krankheitsbedingter Fluktuation aufgelöst. Ich habe in der Zeit dieser SHG-Arbeit viel über mich gelernt und so auch mit dem Rauchen aufgehört und Sport getrieben. Außerdem habe ich viel mit anderen Gruppen zusammengearbeitet und so auch „trockene SHG`s” kennengelernt, getrunken – und zwar viel – hab ich aber weiterhin... 

Waren es die Gespräche mit den „Trockenen”, vielleicht sogar Bewunderung, oder war es Angst oder sogar Selbsterkenntnis? Irgendwie schmorte der Gedanke in mir, auch trocken zu werden, ich kann es ja zumindest mal für eine gewisse Zeit versuchen dachte ich...

In der Nacht vom 30. zum 31.12.2009 hab ich nach einer durchgesoffenen Nacht meinen besten Freund in Form einer Flasche Bier in die S-Bahngleise am Bahnhof Tempelhof gefeuert und ihn somit beerdigt – es war mein letztes mal Alkohol seit dem!

Der Entzug Zuhause war schlimm und als ich wieder einigermaßen Mensch war ging ich in die Sucht-SHG`s, Adressen hatte ich ja genug. Bis zu 4 Gruppen pro Woche hab ich Anfangs besucht, mehrere Organisationen ausprobiert, eine eigene SHG gegründet.

Die Sucht-Selbsthilfe ist für mich ein ganz wesentlicher Bestandteil meines Lebens geworden, hier tanke ich Kraft, höre zu, teile mit, helfe, erfahre selber Hilfe und ich glaube, dass ich Gruppen besuchen werde, bis zum letzten Atemzug.

So viel zu mir.

Wie Anfangs gesagt, mein Name ist Jens, ich bin Alkoholiker und zur Zeit trocken - mit großer Hilfe der Sucht-SHG`s !

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